U55 Kanzlerbahn:

Im Jahr 1994 vereinbarten Berlin und der Bund die Verlängerung der U5 (Hönow - Alexanderplatz) zum Lehrter Bahnhof. Die ursprüngliche Planung sah eine Bauzeit von acht Jahren für die sogenannte Kanzlerbahn (Alexanderplatz, Unter den Linden, Brandenburger Tor, Reichstag, Lehrter Bahnhof) vor. Diese Linie sollte den Parlaments- und Regierungsbereich verkehrlich erschließen.

Rohbau Kanzlerbahn

Foto: Eingang vom Bahnhof Bundestag im Rohbau

Mitte Juni 2001 hat der neu gebildete Senat von Berlin beschlossen, die U55 auf unbestimmte Zeit nicht weiter zu bauen, um seinen Haushalt um rund 10 Millionen Euro jährlich zu entlasten. Im Februar 2004 wurde der Senatsbeschluss dahingehend verändert, eine Zwischenlösung des im Rohbau fertig gestellten U55-Abschnitts zwischen Lehrter Bahnhof und Pariser Platz bis zur Fußballweltmeisterschaft 2006 zu realisieren, dieser aber scheiterte. Die Fertigstellung dieses 1. Bauabschnitts der U55 kann die Strecke zwischen den Bahnhöfen Hauptbahnhof - Lehrter Bahnhof und Pariser Platz erst ab August 2009 durch einen (einseitigen) Pendelverkehr genutzt werden.

Kanzlerbahn

Foto: Bahnhof Bundestag im Rohbau

Im Rahmen dieser Bauarbeiten werden auch die vorhandenen Tunnelröhren von ihrem bisherigen Endpunkt am Pariser Platz aus zugänglich gemacht. Dafür wird im Vorgriff auf den 2. Bauabschnitt unter dem Pariser Platz das Zugangsbauwerk des künftigen U-Bahnhofs Brandenburger Tor so ausgeführt, dass die U-Bahn-Pendelzüge dort einen vorläufigen Endhaltepunkt mit einer direkten Verbindung zum S-Bahn-Netz (S-Bahnhof Unter den Linden) haben werden.
Der Weiterbau der U55 soll spätestens ab 2010 erfolgen und bis 2017 abgeschlossen sein.

Kanzlerbahn

Foto: Tunnelabschnitt nach Herstellung im Schildvortrieb

Tunnelabschnitt Schildvortrieb

Foto: Tunnelabschnitt nach Fertigstellung mit Gleis

Mit Hilfe moderner Technik sollte der Bau so schonend wie möglich erfolgen. Bei diesem Vorhaben ist der BVG die historische Bedeutung des Pariser Platzes und des Boulevards Unter den Linden bewusst. Deswegen wird darauf verzichtet, mit einer großen, offenen Baugrube zu arbeiten. Die meisten Aktivitäten werden also unterirdisch geschehen. Leider ist das nicht bei
allen Vorgängen möglich. Daher werden sich Beeinträchtigungen nicht vermeiden lassen.

Kanzlerbahn

Foto: Übergang von offener Bauweise zum Schildvortrieb

Die Hauptbaustelle liegt in der Straße Unter den Linden zwischen dem Pariser Platz und der Wilhelmstraße. Hier sind die Arbeiten von August 2004 bis Mai 2009 geplant. Eine weitere, kleinere Baustelle liegt Unter den Linden auf der Höhe der Ungarischen Botschaft. An der Hauptbaustelle wird zuerst eine offene Baugrube quer über einer großen Teil der Straße über der S-Bahnunterführung ausgehoben. Der hier liegende S-Bahndurchgang wird abgerissen. Dabei bleiben aber die Fahrbahn vor dem Hotel Adlon und der Zugang zur S-Bahn die ganze Zeit über frei. Um dann unterirdisch bauen zu können, muss zunächst eine Baugrube von etwa 25 mal 25 Metern Grundfläche erstellt werden; insgesamt misst die Gesamtfläche der Baustelle 66 mal 32 Meter. Für die Grube werden von oben etwa 18 Meter tiefe so genannte Schlitzwände in den Boden gelassen. An den betreffenden Stellen wird die Erde herausholt und Beton eingefüllt. Auf die dann fertigen Beton-Seitenwände in der Erde wird ein Betondeckel gesetzt. Damit entsteht ein Kasten: die unterirdische Bauhalle, in der später unter besonderen Druckverhältnissen gearbeitet wird, um das Grundwasser abzuhalten. Zunächst aber muss die Erde aus dem Kasten entfernt werden.

Kanzlerbahn

Nachdem die Schlitzwände auf der Hauptbaustelle fertig sind, wird auf der Höhe der Ungarischen Botschaft eine weitere Schlitzwand eingelassen. Die ist die Rückwand des Bahnhofs und das jetzige Ende der Strecke U55. Vereinfacht gesagt, werden dann von der Bauhalle aus Kühlleitungen dort in die Erde verlegt, wo etwa später die Wände, Decke und Boden des Bahnhofs sein werden. Hier wird das Grundwasser eingefroren. So entstehen Eisröhren, aus denen die Erde entfernt wird. Zum Schluss werden hier die Betonröhren eingebaut. Insgesamt entstehen drei Röhren, zwei für die U-Bahn, eine für den Bahnsteig dazwischen. Die U55 befährt zuerst mit einem Pendelzug eine Tunnelröhre.

Nach der endgültigen Fertigstellung wird ein Betrieb mit vier Wagen möglich sein. Die bereits erstellten zwei Kilometer Strecke und die beiden schon fertigen Bahnhöfe Lehrter Bahnhof und Reichstag haben 190 Millionen Euro gekostet. Der Weiterbau vom Brandenburger Tor bis zum Alexanderplatz soll möglichst 2010 erfolgen und 2017 abgeschlossen sein. Wenn die gesamte Strecke fertig ist, rechnet die BVG durchschnittlich mit 100 000 Fahrgästen pro Werktag.

Hauptbahnhof nach der Fertigstellung:

Hauptbahnhof


Hauptbahnhof


Bahnhof Bundestag nach der Fertigstellung:

Bahnhof Bundestag


Bahnhof Brandeburger Tor nach der Fertigstellung:

BahnhofBrandenburger Tor

Bahnhof Brandenburger Tor

Quelle: Bilder vom Rohbau mit Genehmigung von Thadeusz Chudy

Quelle: Beschreibungen und Bilder von der Fertigstellung von Thorsten Schaeffer

 
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