Der Unterbau:

Mit dem Begriff Unterbau bezeichnet man die Gesamtheit der Konstruktionen, die die Kräfte aus dem Oberbau sicher aufnehmen. Dazu gehören neben den klassischen Formen des Erdkörpers (Geländegleiche, Damm, Einschnitt und Anschnitt) auch eine Reihe von Kunstbauten (z.B. Stützmauern, Flügel- und Futtermauern, Brücken, Überführungsbauwerke und Durchlässe). Alle diese Unterbaukonstruktionen haben eine Hauptaufgabe: Die sichere Aufnahme aller Lasten aus dem auf ihnen ruhenden Oberbau. Bei Erdkörpern wird die Fläche, auf denen der Oberbau aufgebracht wird, Planum genannt. Aus Gründen der sicheren Abführung des Oberflächenwassers ist das Planum dach- oder pultförmig im Verhältnis 1:20 geneigt.

Die Geländegleiche:

Graik der Geländegleiche

Gleisanlagen in der Geländegleichen findet man ausschließlich in Bahnhöfen. Freie Strecken werden, auch wenn sie im Flachland liegen, immer auf einem – wenn auch sehr niedrigen - Damm angelegt. Wichtig für die Geländegleiche – wie generell für alle Unterbaukonstruktionen – ist die Entwässerung der Bahnanlage. Da der Oberbau wasserdurchlässig ist, fällt allein dem Unterbau die Aufgabe der sicheren Ableitung des Oberflächenwassers zu. In Bahnhofsanlagen werden dazu Sickerschächte, Rigolen (verschiedene Bodenschichten über die normale Bearbeitungstiefe hinaus lockern und mischen) und Drainagen angelegt. Alle diese Bauteile liegen unter der Erdoberfläche, sind also für den Betrachter nicht zu sehen. Nur Gräben am Rande des Bahnhofareals weisen sichtbar auf Entwässerungsanlagen hin. Zu sehen sind nur die Kanalisations-Einläufe oder Kanaldeckel zwischen den Gleisen. Überall dort, wo sich Senken, Löcher oder andere Vertiefungen in Gelände bilden, sammelt sich Wasser, das abgeleitet werden muss.


Der Bahndamm:
Grafik des Bahndamms


Bahndämme dienen der möglichst neigungsfreien Gradientenführung des Oberbaus im Gelände. Je stärker durchschnitten dabei das Gelände ist, umso höher werden die Dämme. Dennoch wird angestrebt, die Dammhöhe so niedrig wie möglich zu halten, denn die zu bewegenden Erdmassen sind beim Dammbau erheblich. So ist z. B. ein nur 2m hoher Bahndamm einer eingleisigen Strecke am Dammfuß bereits 7,50 m breit, was bedeutet, dass pro lfd. Meter Damm 11,5 m³ Erdreich aufzuschütten und zu verdichten sind.

Die Neigung der Dammböschung hängt von der Art des Erdreiches ab, das zur Schüttung verwendet wird. Anerkannt gute Schüttungsmassen sind lehmfreie Sande und Kiese, deren natürlicher Schüttkegel eine Neigung von 1:1,5 aufweist. Besteht das Schüttmaterial aus Fels- oder Trümmergestein kann die Neigung bei loser Schüttung 1:1 (45°) betragen – steiler aber auf keinen Fall.

Können Dämme nicht in ihrer gesamten Basisbreite ausgeführt werden, sind sie durch Stützmauern abzufangen. Stützmauern können mit einer wesentlich steileren Neigung (1:0,15 bis 1:0,2) ausgeführt werden, wodurch ein erheblicher Geländegewinn erzielt wird. Werden Dämme in geneigtem Gelände angelegt, so müssen an den Hangseiten Entwässerungsgräben angelegt werden. Das Oberflächenwasser, das sich dort sammelt, wird zu Durchlässen geleitet in denen es durch den Damm hindurchgeführt wird. Darüber hinaus werden i. d. R. auch bei scheinbar ebenem Gelände rechts und links des Dammes Bahngräben angeordnet, um unklare Wasserführungssituationen grundsätzlich zu vermeiden. Hier ersetzt oft eine Querverrohrung den aufwendigen Bau von Durchlässen.

Der Anschnitt:

Grafik des Anschnitts

Die früheren Bezeichnungen von Anschnitten charakterisiert deren Besonderheiten: Halbeinschnitt und Halbdamm. Bahntrassen an stark geneigten Hängen der Mittel- oder Hochgebirge werden häufig in dieser Form angelegt. Ein wichtiger Gesichtspunkt für die Entwicklung dieser Erdkörperkonstruktionen war die Schwierigkeit, große Erdmassen in diesen unwegsamen Regionen zu transportieren. Also löste man die Hälfte der benötigten Masse aus dem Hang heraus und benutzte diese anschließend zum Aufschütten des Halbdammes. Ideal wird dieses Verhältnis, wenn Aushub und Anschüttung massengleich sind. Doch auch ein geringfügiger Massenzutransport rechtfertigt das Anlegen von Anschnitten. Ist der anstehende Boden normal bindig, muss auch die Neigung des Aushubes in einer Neigung um 1:1,5 liegen. Nur bei felsigem Boden sind steilere Neigungen gerechtfertigt, es sei denn, man fängt den Hang wieder durch eine Stützmauer ab. Stützmauern oder Trockenmauern können auch an der Dammseite des Anschnittes angeordnet werden. Die Neigung von Trockenmauern beträgt 1:0,5 bis 1:0,2.

Der Einschnitt:
Grafik des Einschnitts

Noch kritischer als beim Damm ist die Hangneigung bei Einschnitten zu beurteilen. Während beim Aufschütten eines Dammes die Erdmassen bereits durch das lagenweise einbringen eine gewisse Stabilisierung erfahren, geht dem anstehenden Boden beim Aushub von Einschnitten seine natürliche Stütze verloren, so das Verschüttungen leicht möglich sind. In jedem Fall sind in Einschnitten beiderseits des Oberbaus Bahngräben anzulegen. Um ein Abspülen der Sohlen dieser Bahngräben zu verhindern, werden sie häufig ausgemauert, ausbetoniert oder in Plattenbauweise ausgeführt. Wie bei den Bahngräben am Damm endet auch hier die Vorflut (Neigung 1:30) in Brunnen oder Sickerschächten. Mehr noch als beim Aufschütten von Dämmen müssen beim Aushub von Einschnitten gewaltige Erdmassen bewegt werden, kommen doch hier noch die Bahngräben als querschnittsvergrößernde Elemente hinzu. Ein Grund mehr nach Bauweisen zu suchen, die den Querschnitt verkleinern. So werden die Hänge von Einschnitten oft mit Faschinentreppen (zusammengeschnürte Reisigbündel) versehen, um so die Neigung verringern zu können. Diese aus Reisig geflochtenen Stufen fangen das durch Erosion abgetragene Erdreich auf und erleichtern den schnellen Bewuchs des Hanges. Demselben Zweck dienen Wabenplatten aus Beton oder Steinpackungen aus Formsteinen. Schließlich bleiben noch die bereits geschilderten Methoden der Anordnung von Stütz- und Trockenmauern zum Abfangen der Hänge in Einschnitten.


Quelle:
Beschreibungen mit Genehmigung auszugsweise aus „Weichen & Kreuzungen auf Modellbahnanlagen“ vom Transpressverlag, Autor Georg Kerber und Foto-Autor Andreas Stirl

Quelle: Grafiken von Matthias Müller

 
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