Weichenstellvorrichtung:

Definition:
Weichenstellvorrichtung sind Einrichtungen, die über den Weichenverschluss das Umstellen der beweglichen Fahrbahnteile der Weiche bewirken.

WeichenstellvorrichtungDas Umstellen der Weichen kann entweder fern oder ortsbedient erfolgen. Fernbediente Weichen werden von einer Zentraleinheit (Stellwerk) über größere Entfernungen gestellt. Um diese großen Entfernungen sicher überwinden zu können, werden mechanische oder elektrische Einrichtungen zum Umstellen verwendet. Die mechanische Stellvorrichtung hat stets die menschliche Kraft am Stellhebel als Ausgangsenergie. Diese wird bis zur Weichenstellvorrichtung durch Gestänge oder Drahtzüge weitergeleitet. Dabei sind die Gestängeantriebe die ältesten Antriebsformen und heute nicht mehr vorzufinden. Sie waren sehr schwerfällig und wurden wegen ihrer großen Massen, die zu bewegen waren, schon bald wieder abgeschafft. Die Kraftübertragung geschah über 5 m lange Eisenrohre mit 42 mm Außendurchmesser, die durch Muffen miteinander verbunden waren. Winkel und Ausgleichshebel waren die Umlenkelemente. Drahtzugleitungen waren besonders bei den Länderbahnen und der Deutschen Reichsbahn bis zum Ende des II. Weltkrieges sehr verbreitet.
Auch danach waren sie noch lange im Einsatz, bis sie in den 70er Jahren großflächig durch elektrische Antriebe abgelöst wurden. Beim doppelten Drahtzug wird jeder der beiden Drähte mit einem Ende an der Seilrolle des Hebels (z.B. im Stellwerk) und mit dem anderen Ende an der Seilrolle des Antriebs befestigt. Auf diese Weise wird für beide Drehrichtungen eine Verbindung zwischen Hebel und Antrieb hergestellt. Um Längenänderungen und Leitungsbrüche unwirksam werden zu lassen, werden Spannwerke zwischen geschaltet, die die Drahtzüge ständig spannen und bei Seilbrüchen dafür sorgen, dass die Weiche in eine Endstellung läuft und hier verriegelt wird. Diese Spannwerke liegen zunächst im sogenannten Spannraum des Stellwerks und bestehen in der Hauptsache aus Gewichten (Beton oder Stahl) sowie Seilrollen.

Weichenantrieb

Müssen Weichen in großer Entfernung vom Stellwerk umgestellt werden, werden weitere Freispannwerke errichtet, die ein Nachspannen der Drahtzüge ermöglichen. Die am meisten verbreiteten Formen der Freispannwerke sind die Hebelspannwerke (preußisch) und die Säulenspannwerke (sächsisch). Bei Drahtbruch sorgt eine selbständige Sperrvorrichtung dafür, dass das Spanngewicht nicht abstürzt und die Weiche in eine sichere Endlage bewegt wird.

Weichen die Fahrstraßen liegen, müssen außer der zuverlässigen Bewegung in eine Endlage noch verriegelt werden, damit sie während des Bestehens der eingestellten Fahrstraße (Zugfahrt) nicht umgestellt werden können. Bei Überwegen, Kreuzungen mit anderen Gleisen o.ä. werden die Drahtzüge in unterirdischen Blechkanälen geführt. Die horizontal liegenden Umlegrollen und die Seilscheiben der Weichenantriebe und Riegelscheiben ruhen in Blechkästen, die mit Platten aus Riffel- oder Warzenblech abgedeckt sind. Schließlich gab es auch Weichenantriebe, die Pressluft als Antriebskraft (Pneumatik) verwendeten. Solche Antriebe waren selten und auch nur in Werksanschlüssen von Sprengstoffwerken und Tanklagern vorzufinden, in denen Funkenbildung jeder Art ausgeschlossen werden musste und Pressluft in großen Mengen hergestellt werden konnte. Die ortsbediente Weiche wird durch umlegen des Gewichtes am Gewichtshebel gestellt. Dabei wird die Kraft des Gewichts über Zugstangenhebel und eine Bockstange auf die Zungenstellvorrichtung übertragen. Damit das Gewicht den Weichenverschluss nicht ständig belastet, wird die Bewegung des Zugstangenhebels durch eine Hubbegrenzung beschränkt. Die äußerliche Erkennbarkeit der Weichenstellung muss lt. Fahrdienstvorschriften am Gewicht sichtbar sein, und so weist die schwarz gestrichene Hälfte des Umstellgewichts bei der Weichengrundstellung zur Erde.


Quelle:
Beschreibungen mit Genehmigung auszugsweise aus „Weichen & Kreuzungen auf Modellbahnanlagen“ vom Transpressverlag, Autor Georg Kerber und Foto-Autor Andreas Stirl

Quelle: Bilder von Thorsten Schaeffer

 
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