Begriffe der Weichen:
Weichen werden an verschiedenen Stellen eines Gleisnetzes mit unterschiedlichen Zweck angeordnet, z.B.
auf Bahnhöfen
- zum Bilden und Auflösen von Zügen sowie zum bedienen der Zusatzanlagen,
- zum wechselseitigen Benutzen von Bahnsteiggleisen durch Reisezüge,
- zum Kreuzen und Überholen von Zügen,
auf der freien Strecke bei Abzweig- oder Anschlussstellen
- zur Streckentrennung bzw. zum bedienen von Anschlussbahnen,
für Sonderzwecke
- als mehrspurige Weichen zum Zusammenführen von Gleisen mit verschiedenen Spurweiten,
- als Mehrwegeweichen an den Anlegestellung von Eisenbahnenfährschiffen.
Nachstehend werden einige Fachbegriffe erläutert, die für das Verständnis der Ausführungen zu Weichenkonstruktionen notwendig sind. Dabei wird das Wort Weiche als übergeordneter Fachausdruck für Weichen, Kreuzungen und Kreuzungsweichen verwendet, um die wiederholte, umständliche Aufzählung zu vermeiden. Technisch muss jedoch zwischen diesen unterschieden werden. In Gleis- und Lageplänen werden Weichen, Gleissperren und Kreuzungen vereinfacht dargestellt. Für die Konstruktion der Weichen ist hingegen das Fahrkantenbild entscheidend. Das Fahrkantenbild ist die Darstellung einer Weiche im Grundriss, in der unter weglassen konstruktiver Details nur die Fahrkanten der Fahr- und Führungsschienen gezeichnet sind. Dabei wird unter der Fahrkante die Linie verstanden, an der ein Rad eines im Gleis laufenden Radsatzes die Flanke einer Fahr- oder Führungsschiene mit dem Spurkranz berührt. Am Fahrkantenbild einer einfachen Weiche lassen sich weiter Fachbegriffe erklären. Eine einfache Weiche ist eine Weichenkonstruktion, die nur ein Stamm- und Zweiggleis besitzt. Das Stammgleis ist bei geraden Weichen das Geradegleis, bei Bogenweichen erstens das ursprüngliche gerade Gleis der dazugehörigen Weichengrundform oder zweitens das betrieblich bevorzugte bzw. stärker befahrende Gleis. Das Zweiggleis ist danach das Gleis einer Weiche, das von dem Stammgleis abzweigt.
Dieser Abzweig erfolgt in einem allgemeinen als Kreisbogen. Aus Verschleißgründen wird neuerdings bei Weichen, die mit hohen Geschwindigkeiten befahren werden, der Abzweig zunächst (im Zungenbereich) als Parabel ausgebildet, dem sich ein Kreisbogen anschließt (Weiche mit Parabelzungen). Die Backenschiene ist eine bearbeite Schiene, die als fester Teil der Zungenvorrichtung für die anliegende Weichenzunge als Anlage und im Bereiche der abliegenden Weichenzunge als Fahrschiene dient. Unmittelbar damit im Zusammenhang stehen die Weichenzungen, die ebenfalls aus bearbeiteten Schienenprofilen bestehen und die konstruktiv als bewegliche Teile der Zungenvorrichtung ausgebildet sind. Durch Umstellen dieser Zungen (wechselseitiges An- oder Ablegen an die Backenschienen bzw. Stützknaggen) wird das Befahren des einen oder anderen Fahrweges ermöglicht. Die Zwischenschienen verbinden die Zungenvorrichtung mit dem Herzstück. Das Herzstück einer Weiche ist ein Weichengroßteil, dass den ungehinderten Lauf der Räder an den Durchschneidungsstellen zweier Schienenstränge ermöglicht.
Doppelte Kreuzungsweiche DKW:
Doppelweichen sind Weichen, die ein Stammgleis und zwei Zweiggleise besitzen. Im Prinzip ist die Doppelweiche aus zwei vereinigten einfachen Weichen entstanden. Wegen des hohen Verschleißes der Bauteile sind Doppelweichen höchst selten Trajektbereich von Eisenbahnfähren (oft auf dem Fährschiff selbst) anzutreffen.
Kreuzungen:
Kreuzungen
sind Oberbaukonstruktionen, die Schienenfahrzeuge das Befahren zweier aneinander durchschneidenden Gleise ermöglichen. Eine Kreuzung besitzt ein Hauptteil und zwei Endteile. Wo sich die Schienen der beiden kreuzenden Gleise durchschneiden, entstehen in den Kreuzungsendteilen einfache und im Kreuzungshauptteil doppelte Herzstücke. Der Rhombus in der Mitte der Zeichnung wird Kreuzungsviereck genannt. Durch Einlegen von einem oder zwei Zweiggleis(en) in die Kreuzung entstehen einfache oder doppelte Kreuzungsweichen.
Kreuzungsweichen sind Oberbaukonstruktionen, die Schienenfahrzeuge sowohl das Befahren zweier sich durchschneidender Gleise als auch den Übergang von einem Gleis auf ein anderes ohne Unterbrechung der Fahrt ermöglichen. Nach der Lage der Zungenvorrichtung unterscheidet man Kreuzungsweichen mit innerhalb oder außerhalb des Kreuzungsviereckes liegenden Zungenvorrichtungen (Kurz: Innen- oder außenliegenden Zungen). Während Kreuzungsweichen mit innenliegenden Zungen wie Kreuzungen ein Hauptteil und zwei Endteile besitzen, kann man bei Kreuzungsweichen mit außenliegenden Zungen eine solche Aufteilung nicht vornehmen. Neben den doppelten Herzstücken im Weichenhauptteil besitzen diese Weichen im Bereich der Endteile noch zwei dreifache Herzstücke, die durch das Zusammenfassen von zwei oder drei einfachen, gleichgerichteten Herzstückspitzen entstehen. Im südeuropäischen Raum werden diese Weichen nach ihrem Konstrukteur auch Baeseler Weichen genannt. Alle bis hier beschriebenen Weichenformen sind in der Grundform als gerade Weiche konzipiert, d.h. mit geradem Stammgleis. Bei geraden Kreuzungen sind die sich kreuzenden Gleise gerade. Natürlich können sich alle Weichen und Kreuzungen auch im Bogen verlegt werden.
Diese Konstruktionen bezeichnet man als Bogenweiche (BW) und Bogenkreuzungen (BKr). Charakteristisch für Bogenweichen ist, dass auch das Stammgleis gebogen ist. Nach der Krümmung des Stamm- und Abzweiggleises wird in Außenbogenweichen (ABW) und Innenbogenweichen (IBW) unterschieden. Die gleiche Unterteilung lässt sich bei den Bogenkreuzungsweichen vornehmen. Je nach Verlauf der Krümmung bezeichnet man diese als einfache Außenbogenkreuzungsweichen (EABKW), einfache Innenbogenkreuzungsweiche (EIBKW) oder doppelte Bogenkreuzungsweiche (DBKW). Hauptkriterium für die Anschaffung und das Verlegen von Weichen und Kreuzungen ist deren betriebliche Notwendigkeit und deren Kosten bei der Anschaffung, Verlegung und Unterhaltung.
Weichenarten:
Definition:
Die Weichenart bezeichnet eine Weiche nach der Art der Abzweigung oder Kreuzung der einzelnen Fahrwege. Weichen können nach einer Vielzahl von geometrischen und konstruktiven Merkmalen eingeteilt werden, je nachdem, welchen Zweck man mit einer solchen Unterteilung verfolgt. Vorzugsweise wird jedoch die Einteilung der Weichen nach den Weichenarten vorgenommen.
Weichenbezeichnungen:
Quelle: Beschreibungen mit Genehmigung aus Weichen & Kreuzungen auf Modellbahnanlagen vom Transpressverlag, Autoren Georg Kerber und Andreas Stirl
Quelle: Bilder von Thorsten Schaeffer, Grafiken von Matthias Müller
|