Weichenfahrbahn:

Zur Weichenfahrbahn einer Weiche, Kreuzung oder Kreuzungsweiche gehören die Bauteile
Weichenfahrbahn

Weichenfahrbahn
  • Zungenvorrichtung (nur Weichen)
  • Zwischenschienen
  • Herzstück
  • Fahrschienen mit Radlenkern und
  • Schienenbefestigungsmittel.

Zungenvorrichtung:
Die Zungenvorrichtung ermöglicht funktionsgemäß die eigentliche Ablenkung der Fahrzeuge in das Stamm- oder Zweiggleis einer Weiche mittels beweglicher Weichenzungen.
Eine Zungenvorrichtung besteht aus

  • zwei Backenschienen (bearbeitete Regelschienen)
  • zwei Weichenzungen (bearbeitete Zungenschienen) sowie
  • Befestigungs-, Verspannungs-, Stütz- und Gleitelementen, die zur Aufnahme von horizontalen und vertikalen Kräften, zur Sicherstellung der Zungenendlage und zum Umstellen der Zungenvorrichtung dienen.

Besondere Aufmerksamkeit wird der Konstruktion der Zungenwurzel gewidmet. Diese ist so gestaltet, das die Zunge leicht stellbar gelagert ist, kein Längs- und Querverschieben oder gar Abheben der Zunge zugelassen wird, ein guter Anschluss der Zunge an die Zwischenschienen gewährleistet ist und sich die Zungenvorrichtungen leicht auswechseln lassen. Um eine Längsverschiebung zu verhindern, sind in der Zungenvorrichtung eine sogenannte Gabel und der dazu passende Zapfen angebaut, wie auf dem folgenden Bild zu erkennen ist.

Gabel und Zapfen

Nach der Art der Ausbildung der Zungenwurzel bzw. der Federstelle in der Weichenzunge unterscheidet man drei verschiedene Zungenvorrichtungen

Gelenkzungenvorrichtung:

GelenkzungenvorrichtungDiese Reihenfolge ist auch identisch mit der historischen Entwicklung der Zungenvorrichtung. Bei Gelenkzungen besteht die Weichenzunge aus der Zungenschiene und einem an diese angeschraubten oder angeschweißten Gelenkstücke mit Ringzapfen. In dieser gelenkartigen Konstruktion, die beim Umstellvorgang als Drehpunkt wirkt, ruht die Zungenwurzel wie in einem Stehlager (siehe oberes Bild). Gelenkzungenvorrichtungen (Gz) sind sehr verschleißintensiv und nur noch bei älteren Weichen anzutreffen.

 

 

 

 

Federzungenvorrichtung:
Bei Federzungenkonstruktionen besteht die Weichenzunge aus der Zungenschiene und einem kurzem Schienenteil, dessen Federstelle durch Abarbeiten des Fußes und Steges der Zungenschiene auf einer Länge von 1,50 m hergestellt wird. Hinter der Federstelle wird das Endteil der Zungenschiene zum normalen Schienenprofil umgeschmiedet. Diese Federzungenvorrichtung (Fz) ist in der Herstellung sehr materialaufwendig und teuer. Sie wird heute nicht mehr gebaut, ist aber noch bei Länderweichen und älteren Reichsbahnweichen zu finden.

Federschienenzungenvorrichtung:
Die Federschienenzunge sind Weichenzungen, die aus einem Zungenschienen- und einem Schienenteil bestehen. Die Federstelle wird durch Abfräsen des Schienenfußes auf Kopfbreite auf einer Länge von 2,50 m bis 3,00 m hergestellt. Die Federschienenzunge wird mit der Zwischenschienen verschweißt. Diese Federschienzungenvorrichtung (Fsch) finden bis auf wenige Ausnahmen als Regelbauart für Reichsbahn- und Bundesbahnweichen Verwendung, da sie sich konstruktiv besonders für die Herstellung von Bogenweichen eignen, die Nachteile der Gelenkzungenvorrichtung vermeiden und die Herstellungs- und Erhaltungskosten wesentlich verringern.

Zwischenschienen:
Die Zwischenschienen werden im Mittelteil der Weiche als unterschiedlich lange Verbindungsschienen zwischen den Weichengroßteilen angeordnet. Im Mittelteil erfolgt außerdem der Ausgleich der Längenänderungen der Schienenstränge bei Bogenweichen.
Die Befestigung der Zwischenschienen gleicht der des normalen Gleises.

Das Herzstück:

Blockherzstück

Herzstücke dienen zur Stützung und zur Führung der Radsätze über die vorhandenen Unterbrechungen der Herzstückfahrkanten (Herzstücklücken). Nach der Anzahl der Fahrkantenunterbrechungen unterscheidet man in einfache, zweifache und dreifache Herzstücke. Das einfache Herzstück besteht aus der Herzstückspitze, zwei Flügelschienen und den Befestigungsmitteln. HerzstückDas doppelte Herzstück einer Kreuzung oder Kreuzungsweiche besteht aus zwei Herzstückspitzen, Knieschiene, Radlenker und ebenfalls den erforderlichen Befestigungsmitteln. Doppelte Schienenherzstücke werden in Kreuzungen und Kreuzungsweichen eingebaut. Nach spurführungstechnischen Gesichtspunkten teilt man diese Herzstücke außerdem noch in Herzstücke mit oder ohne Fahrkantenunterbrechung ein, wobei letztere grundsätzlich bewegliche Herzstückspitzen haben. Dreifache Herzstücke kommen nur bei Kreuzungsweichen mit außenliegenden Zungen vor. Sie bestehen aus je einer Haupt- und Leitspitze sowie aus zwei Seitenspitzen. Die Herzstücke sind nicht seitenvertauschbar, so dass in rechte und linke dreifache Herzstücke unterschieden wird. In die Gruppe der Schienenherzstücke gehören alle verschraubten Herzstücke mit getrennter Haupt- und Beispitze. Dabei liegt die Hauptspitze immer am meist befahrenden Strang. Das ist häufig das Stammgleis, kann aber auch – je nach Bahnhofsgeometrie – das Zweiggleis sein. Zwischen den Spitzenschienen und den Flügelschienen sind Futterstücke angeordnet. Die ganze Konstruktion ist miteinander verschraubt und sehr verschleißanfällig. Anderseits lassen sich Schienenherzstücke aus Vollschienen leicht biegen, so das eine einfache Herstellung von Bogenweichen möglich ist.

Federnbewegliches Herzstück

Federnbewegliches Herzstück:
Federnbewegliches HerzstückHerzstücke mit beweglicher Spitze haben den Vorteil, dass bei den herkömmlichen Herzstücken vorhandenen Herzstücklücken (Fahrkantenunterbrechung) entfallen. Die somit durchgehende Fahrkante hat eine bessere Laufruhe der Fahrzeuge und einen geringeren Verschleiß zur Folge. Außerdem können die Radlenker entfallen. Nachteilig wirken sich jedoch die hohen Kosten aus, die für den Stellmechanismus und die zusätzlichen sicherungstechnischen Einrichtungen erforderlich sind.
Die feststehenden Flügelschienen werden von einer beweglichen, zungenartigen Herzstückspitze berührt, die mit der Beispitze zu einem beweglichen, biegesteifen Rahmen ausgebildet wird.

 


Federnbewegliches HerzstückDie Anlage der Herzstückspitze je nach Fahrtrichtung ist fest verschlossen. Außerdem ist diese Konstruktion umkehrbar; d.h. das im Gegensatz zu oben beschriebenen Konstruktion das Herzstück fest ist und die Flügelschienen beweglich sind. Dabei wird wieder bewirkt, dass beim Anliegen der entsprechenden Flügelschiene die Herzstücklücke entfällt. Diese Konstruktion ist aber auffahrbar und deshalb sehr verschleißanfällig, weil bei wiederholtem Auffahren (z.B. bei Rangierfahrten) die Schließvorrichtung schnell erlahmt.

 

 

 

 

Fahrschienen mit Radlenkern:
RadlenkerDie Radlenker haben die Aufgabe, die Radsätze der Fahrzeuge sicher über die Herzstücklücken zu führen. Radlenker sind in allen Weichen im Bereich von Herzstücken mit Fahrkantenunterbrechungen (führungslose Stelle) angeordnet.
Konstruktiv unterscheidet man Radlenker in der Verbundanordnung und in Radlenker in getrennter Anordnung.
Bei der Verbundanordnung wird der Radlenker unter Verwendung von Futterstücken unmittelbar mit der Fahrschiene verschraubt. Bei doppelten Herzstücken werden die überhöhten Radlenker mit den Herzstückspitzen und der Knieschiene verschraubt.
Bei der getrennten Anordnung (siehe Bild) wird der Radlenker UIC 33 getrennt von der Fahrschiene auf Stützplatten befestigt. Bei dieser Konstruktion ist die Einstellung der Rillenweite mit Spurregulierungsplättchen regulierbar.


Quelle: Beschreibungen mit Genehmigung auszugsweise aus „Weichen & Kreuzungen auf Modellbahnanlagen“ vom Transpressverlag, Autor Georg Kerber und Foto-Autor Andreas Stirl

Quelle: Bilder von Thorsten Schaeffer und Olaf Mensch

 
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