Weichenverschlüsse:

Definition:
Weichenverschlüsse sind Einrichtungen, die die beweglichen Teile einer Weiche in ihrer Endlage, bei längeren Weichenzungen auch in deren Verlauf, sichern und ihr Umstellen ermöglichen.

WeichenverschlussDie Aufgabe des Weichenverschlusses in der Zungenvorrichtung ist die der Sicherung der Endlage der Weichenzungen. Für die anliegende Zunge betrifft das deren Festhalten an der Backenschiene und bei der abliegenden Zunge gilt es, deren Abstand von der Backenschiene (160 mm) zu sichern. Dabei muss der Weichenverschluss so konstruiert sein, das er auffahrbar, d.h. von der Herzstückseite aus befahren werden kann, ohne das Fahrzeuge entgleisen. Bei diesem Auffahrvorgang drückt der Spurkranz des ersten Radsatzes die abliegende Weichenzunge in Richtung Backenschiene, wobei die Verriegelung der anliegenden Zunge gelöst wird. Im weiteren Verlauf der Fahrzeugbewegung wird die abliegende Zunge ganz an die Backenschiene gedrückt, während sich die vorher anliegende Zunge von der Backenschiene entfernt.

Zwei Arten von Weichenverschlüssen werden unterschieden:

  • der Hakenverschluss und
  • der Klammerspitzenverschluss

Der Hakenverschluss ist die ältere und robustere Konstruktion von beiden. Er wurde besonders bei den preußisch-hessischen und den sächsischen Länderweichen verwendet. Die prinzipielle Wirkungsweise dieses Weichenverschlusses besteht in einem waagerechten liegenden Haken, der sich am Ende der Zungenverbindungsstange (Schieberstange) befindet, die die Weichenzunge bewegt.

SchieberstandeDieser, durch einen Winkelhebel angelegte Haken ist so lange geöffnet, wie sich die dazugehörige Zunge bewegt. Liegt sie schließlich an der Backenschiene an, schiebt die Zungenverbindungsstange noch so lange weiter, bis sich der Haken vollständig um ein Verschlussstück gelegt hat und so die anliegende Zunge verriegelt. Bei der gegenläufigen Bewegung öffnet sich erst der Haken, bevor die Zunge von der Backenschiene abgezogen wird. Gleiches nur in umgekehrter Reihenfolge, geschieht an der gegenüberliegenden Zunge.
Der Klammerspitzenverschluss ist der modernere und gilt als Einheits-Weichenverschluss für alle Reichsbahnweichen. Hier sind es Y-förmige Verschlussklammen, die von einer Schieberstange bewegt werden. Der prinzipielle Aufbau beruht nun auf der Tatsache, dass Schieberstange und Verschlussklammer gemeinsam durch eine Öffnung an der Backenschiene (Verschlussstück) gehen, solange der eine Arm der Verschlussklammer in einer schwalbenschwanzförmigen Ausnehmung der Schieberstange ruht. Ist jedoch eine Endstellung erreicht, wird die Verschlussklammer durch den Weiterlauf der Schieberstange aus der Ausnehmung gespreizt und verschließt somit die anliegende Weichenzunge. Außer den hier geschilderten mechanischen Verschlüssen, die gleichzeitig mit dem Umstellvorgang betätigt werden, gibt es noch Handverschlüsse. Das sind tragbare Schlösser, die entweder mittels einer Klammer die anliegende Zunge an der Backenschiene festhalten oder durch einen Distanzstift die abliegende Zunge auf Abstand halten. Beide Vorrichtungen sind nicht auffahrbar und werden vorwiegend in Baugleisen, bei Sonderzuständen oder in absolut untergeordneten Gleisen eingesetzt. Der Schlüssel lässt sich nach dem Sicherungsvorgang abziehen und wird unter Verschluss aufbewahrt (Fahrdienstleiter, Stellwerk) oder für weitere, abhängige Schließvorgänge (Schlüsselwerk) weiterverwendet.


Quelle:
Beschreibungen mit Genehmigung auszugsweise aus „Weichen & Kreuzungen auf Modellbahnanlagen“ vom Transpressverlag, Autor Georg Kerber und Foto-Autor Andreas Stirl

Quelle: Bilder von Thorsten Schaeffer

 
© 2003-2015 Gleisbau-Welt.de | Nachdruck und Weiterverbreitung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung!
Sie finden uns auch hier: facebook.com/Gleisbau, Gleisbau-Blog.de oder jetzt auch auf Google+ gplus.to/gleisbau
Webdesign: das-Seitenreich.de